RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Fachverband Ethik Baden Württemberg

Fachverband Ethik Baden Württemberg

Dirk Helbing: "Big Nudging": Big Data zur Verhaltenssteuerung

Veröffentlichung:1.1.2015

Das Medium „Big Nudging: Big Data zur Verhaltenssteuerung“ von Dirk Helbing thematisiert die ethischen und gesellschaftlichen Probleme einer gezielten Verhaltensbeeinflussung mithilfe großer Datenmengen. Ausgangspunkt ist das Konzept des Nudgings, bei dem Menschen durch die Gestaltung von Entscheidungssituationen zu bestimmten Verhaltensweisen bewegt werden sollen. Helbing kritisiert, dass dabei nicht in erster Linie auf Information und rationale Überzeugung gesetzt werde, sondern psychologische Mechanismen genutzt würden, um Entscheidungen zu beeinflussen. In Verbindung mit Big Data entstehe eine besonders wirksame Form der Verhaltenssteuerung, die der Autor als „Big Nudging“ bezeichnet. Persönliche Daten könnten dazu verwendet werden, individuelle Vorlieben, Gefühle und Verhaltensweisen zu analysieren und Menschen durch personalisierte Informationen, Angebote oder Preise zu bestimmten Entscheidungen zu bewegen. Helbing problematisiert dabei sowohl wirtschaftliche als auch gesellschaftliche und politische Formen der Einflussnahme. Zugleich bezweifelt er, dass komplexe Gesellschaften durch solche Verfahren zuverlässig gesteuert werden können. Als Voraussetzungen für einen verantwortbaren Einsatz nennt er wissenschaftliche Fundierung, Transparenz, ethische Bewertung, demokratische Kontrolle und die Möglichkeit der Betroffenen, selbst zu entscheiden. Darüber hinaus warnt Helbing vor Diskriminierung, wenn persönliche Daten zur Grundlage unterschiedlicher Behandlung von Menschen werden. Das Medium stellt damit grundlegende Fragen nach Freiheit, Selbstbestimmung, Verantwortung, Gerechtigkeit, Macht und Menschenwürde in einer zunehmend durch Daten und Algorithmen geprägten Gesellschaft.

Products

Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Auseinandersetzung mit Freiheit, Selbstbestimmung, Verantwortung, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Macht in der digitalen Gesellschaft. Als Einstieg können die Lernenden Situationen aus ihrem digitalen Alltag sammeln, in denen ihre Entscheidungen möglicherweise beeinflusst werden, etwa durch personalisierte Werbung, Empfehlungen, Suchergebnisse oder vorausgewählte Einstellungen. Daran anschließend kann geklärt werden, was unter Nudging zu verstehen ist und worin Helbing den Unterschied zwischen Information, Überzeugung und gezielter Verhaltenssteuerung sieht. Bei der Texterschließung können die Lernenden herausarbeiten, welche Formen der Einflussnahme beschrieben werden, welche Rolle persönliche Daten dabei spielen und welche ethischen Probleme daraus entstehen. Besonders ergiebig ist die Frage, wann Unterstützung bei einer Entscheidung in Manipulation übergeht. Die Lernenden können dazu Kriterien wie Transparenz, Zustimmung, Entscheidungsfreiheit und Wissen über die eingesetzten Verfahren entwickeln. Religionspädagogisch lässt sich die Problematik mit einem christlichen Verständnis des Menschen als freiem und verantwortlichem Wesen verbinden. Zu diskutieren ist, inwiefern Freiheit voraussetzt, dass Menschen die Bedingungen ihrer Entscheidungen kennen und sich bewusst für oder gegen bestimmte Möglichkeiten entscheiden können. Ebenso kann untersucht werden, ob die gezielte Nutzung persönlicher Daten den Menschen auf ein berechenbares Verhaltensprofil reduziert und damit Fragen nach seiner Würde und Einzigartigkeit aufwirft. Einen weiteren Zugang bietet das Thema Gerechtigkeit. An Helbings Beispiel personalisierter Versicherungsbeiträge können die Lernenden untersuchen, unter welchen Voraussetzungen eine unterschiedliche Behandlung von Menschen gerechtfertigt sein könnte und wann daraus Diskriminierung entsteht. Methodisch eignet sich hierfür eine Fallanalyse, bei der konkrete Anwendungen von Big Data aus der Perspektive der Betroffenen, der Unternehmen und gesellschaftlicher Institutionen betrachtet werden. Anschließend können die Lernenden die unterschiedlichen Interessen miteinander vergleichen und ein begründetes ethisches Urteil entwickeln. Auch Helbings Forderungen nach wissenschaftlicher Fundierung, Transparenz, ethischer Bewertung und demokratischer Kontrolle können als Kriterien für eine verantwortliche Nutzung digitaler Technologien untersucht werden. Dabei sollte deutlich werden, dass die Bewertung von Big Nudging nicht allein von den angestrebten Zielen abhängt, sondern ebenso von den verwendeten Mitteln und den möglichen Folgen für Freiheit und Selbstbestimmung. Als Vertiefung bietet sich die Frage an, ob Menschen zu ihrem eigenen Wohl beeinflusst werden dürfen. Die Lernenden können beispielsweise beurteilen, ob digitale Systeme Menschen zu gesünderem, umweltbewussterem oder sozial verantwortlicherem Verhalten bewegen dürfen und welche Grenzen dabei gelten sollten. Eine Verbindung zur christlichen Ethik kann über die Begriffe Freiheit, Verantwortung, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Nächstenliebe hergestellt werden. Als abschließende Aufgabe können die Lernenden eigene ethische Grundsätze für den Einsatz von Big Data und digitaler Verhaltenssteuerung formulieren. Dadurch werden sie dazu angeregt, die Möglichkeiten digitaler Technologien nicht nur hinsichtlich ihrer technischen Leistungsfähigkeit zu beurteilen, sondern auch danach zu fragen, welche Auswirkungen sie auf das Menschenbild, die persönliche Freiheit und das gesellschaftliche Zusammenleben haben.

Hessen

Hessen

Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

Sekundarstufe II | E1 Religion und Mensch in einer pluralen Welt

E1.2 Anthropologie und Religion.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz

Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.