Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für die Auseinandersetzung mit Freiheit, Selbstbestimmung, Verantwortung, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Macht in der digitalen Gesellschaft. Als Einstieg können die Lernenden Situationen aus ihrem digitalen Alltag sammeln, in denen ihre Entscheidungen möglicherweise beeinflusst werden, etwa durch personalisierte Werbung, Empfehlungen, Suchergebnisse oder vorausgewählte Einstellungen. Daran anschließend kann geklärt werden, was unter Nudging zu verstehen ist und worin Helbing den Unterschied zwischen Information, Überzeugung und gezielter Verhaltenssteuerung sieht. Bei der Texterschließung können die Lernenden herausarbeiten, welche Formen der Einflussnahme beschrieben werden, welche Rolle persönliche Daten dabei spielen und welche ethischen Probleme daraus entstehen. Besonders ergiebig ist die Frage, wann Unterstützung bei einer Entscheidung in Manipulation übergeht. Die Lernenden können dazu Kriterien wie Transparenz, Zustimmung, Entscheidungsfreiheit und Wissen über die eingesetzten Verfahren entwickeln. Religionspädagogisch lässt sich die Problematik mit einem christlichen Verständnis des Menschen als freiem und verantwortlichem Wesen verbinden. Zu diskutieren ist, inwiefern Freiheit voraussetzt, dass Menschen die Bedingungen ihrer Entscheidungen kennen und sich bewusst für oder gegen bestimmte Möglichkeiten entscheiden können. Ebenso kann untersucht werden, ob die gezielte Nutzung persönlicher Daten den Menschen auf ein berechenbares Verhaltensprofil reduziert und damit Fragen nach seiner Würde und Einzigartigkeit aufwirft. Einen weiteren Zugang bietet das Thema Gerechtigkeit. An Helbings Beispiel personalisierter Versicherungsbeiträge können die Lernenden untersuchen, unter welchen Voraussetzungen eine unterschiedliche Behandlung von Menschen gerechtfertigt sein könnte und wann daraus Diskriminierung entsteht. Methodisch eignet sich hierfür eine Fallanalyse, bei der konkrete Anwendungen von Big Data aus der Perspektive der Betroffenen, der Unternehmen und gesellschaftlicher Institutionen betrachtet werden. Anschließend können die Lernenden die unterschiedlichen Interessen miteinander vergleichen und ein begründetes ethisches Urteil entwickeln. Auch Helbings Forderungen nach wissenschaftlicher Fundierung, Transparenz, ethischer Bewertung und demokratischer Kontrolle können als Kriterien für eine verantwortliche Nutzung digitaler Technologien untersucht werden. Dabei sollte deutlich werden, dass die Bewertung von Big Nudging nicht allein von den angestrebten Zielen abhängt, sondern ebenso von den verwendeten Mitteln und den möglichen Folgen für Freiheit und Selbstbestimmung. Als Vertiefung bietet sich die Frage an, ob Menschen zu ihrem eigenen Wohl beeinflusst werden dürfen. Die Lernenden können beispielsweise beurteilen, ob digitale Systeme Menschen zu gesünderem, umweltbewussterem oder sozial verantwortlicherem Verhalten bewegen dürfen und welche Grenzen dabei gelten sollten. Eine Verbindung zur christlichen Ethik kann über die Begriffe Freiheit, Verantwortung, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Nächstenliebe hergestellt werden. Als abschließende Aufgabe können die Lernenden eigene ethische Grundsätze für den Einsatz von Big Data und digitaler Verhaltenssteuerung formulieren. Dadurch werden sie dazu angeregt, die Möglichkeiten digitaler Technologien nicht nur hinsichtlich ihrer technischen Leistungsfähigkeit zu beurteilen, sondern auch danach zu fragen, welche Auswirkungen sie auf das Menschenbild, die persönliche Freiheit und das gesellschaftliche Zusammenleben haben.